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Trauriger Jahrestag des Brandanschlags in Ganderkesee: Der zweite Anschlag gegen die Betroffenen

Mahnwache in Ganderkesee vor dem Gebäude des ehemaligen „Don Gantero“ (Wittekindstraße 3)

Vor einem Jahr am 14. Oktober 2020 zerstörte ein Brand das ehemalige
Bahnhofsgebäude in der Wittekindstraße weitgehend, in dem sich das Restaurant „Don
Gantero” befunden hatte. Die Polizei erkannte Spuren einer vorsätzlichen Brandstiftung,
konnte aber keine Täter*innen ermitteln. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Am Brandort
fanden sich Symbole der rechten Szene wie ein Hakenkreuz sowie die Ziffer „88“, die für
„HH”: „Heil Hitler” steht. Während sich die Bürgermeisterin unmittelbar nach dem
Brandanschlag noch schockiert gezeigt hatte, offenbarten die folgenden Taten der
Verwaltung eine ganz andere Haltung: Die betroffenen Betreiber, die einen
„Migrationshintergrund“ aufweisen, wurden von der Gemeinde Ganderkesee nicht
unterstützt, sondern innerhalb kürzester Zeit wurde ein neuer Pachtvertrag mit einem
bekannten Ganderkeseer Gastronom abgeschlossen. Die betroffenen Betreiber mussten
Ende Mai 2021 das Gebäude verlassen. Wenn sich hinter dem Brandanschlag eine rechte
Täterschaft verbergen sollte, so hätten sie ein Ziel des Brandanschlags erreicht: Die
Betreiber verloren ihr Restaurant und ihre Existenzgrundlage. Das sendet ein fatales
Signal, weil deutlich wird, dass potentielle Opfer rechtsextremer Gewalt in Ganderkesee
nicht mit Solidarität zu rechnen haben.
In Ganderkesee wird die Haltung der Verwaltung in der Politik fast nicht thematisiert.
Außer von der Partei DIE LINKE (Ratsfrau Susanne Steffgen) gab es keine
Stellungnahme zu dem Vorgehen der Verwaltung. Im Fernsehbeitrag des NDR („Hallo
Niedersachsen“ vom 5. Juli 2021) äußerten sich lediglich Bündnis 90/Die Grünen. Die
Bürgermeisterin blieb stumm. Für die Betroffenen bedeutet diese Haltung der
Ganderkeseer Politik, dass sie nach dem Anschlag ein zweites Mal Opfer sind: zunächst
traf sie ein Brandanschlag, dann die Ausgrenzung des Verwaltungsausschusses
Ganderkesees.
Seit dem Februar 2020 häufen sich die Brandanschläge im Bremer Umland. In Syke,
Gnarrenburg und Ganderkesee wurden Brandanschläge auf Restaurants nach einem
ähnlichen Muster verübt: Immer nachts wurden die jeweils von Menschen mit Flucht- und
Migrationsgeschichte geführten Restaurants Opfer der Brandanschläge und immer wurden
Hakenkreuze hinterlassen. Am 13. Februar 2020 wurde ein Brandanschlag auf das Syker
Restaurant „Martini“ verübt. Am 24. Juli folgte ein Brandanschlag auf den „Hexenkeller“ in
Gnarrenburg und am 14. Oktober 2020 schließlich das Restaurant „Don Gantero“ in
Ganderkesee. An den Wänden oder im unmittelbaren Umfeld fanden sich immer
Hakenkreuze und teilweise auch rassistische Parolen. Trotz dieser Häufung von
Gemeinsamkeiten konnte die Polizei hinter diesen Taten keine eindeutigen Hinweise auf
einen politischen Hintergrund und eine rechte Tatmotivation ermitteln.Auch
Brandanschläge in der Region wie z.B. in Bremen im Februar 2020 müssen in diesem
Zusammenhang mitgedacht werden.
Expert*innen wie die Mobile Beratung Niedersachsen gegen Rechtsextremismus für
Demokratie weisen darauf hin, dass es im Bremer Umland seit Jahren eine aktive
rechtsextreme Szene gibt. Es darf nicht zugelassen werden, dass rechtsextreme Taten die
Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte im Bremer Umland einschüchtern. Es
besteht die Gefahr weiterer rechter Anschläge, die Menschen verletzen oder töten können.
Anlässlich des traurigen Jahrestags des Anschlags findet vor dem Gebäude des
ehemaligen „Don Gantero“ (Wittekindstraße 3) am Samstag, den 16. Oktober von 13.00-
15.00 Uhr eine Mahnwache statt, um sich mit den Betroffenen solidarisch zu erklären.
Daran anschließend findet eine Demonstration statt, für die das Bündnis für solidarische
Intervention aufruft.
Veranstalter*innen:
Breites Bündnis gegen Rechts Delmenhorst
So.Wi.Wir Bündnis Wildeshausen
Bündnis für solidarische Intervention Oldenburg
Susanne Steffgen