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40. Jahrestag: Solidarität mit Tschernobyl-Opfern

26. April 2026

Gedenken an der Madonna
Musikalisch begleitet von anhaltendem Glockenklang und dem Posaunenchor von St. Martin fand am 26. April die diesjährigen Gedenkveranstaltungen zur Reaktor-Katastrophe in Tschernobyl statt, die sich in diesem Jahr zum 40. Mal jährte. Der Einladung vom Arbeitskreis Gedenken waren zahlreiche Menschen gefolgt, um an die Opfer der Atom-Katastrophe zu erinnern, aber auch ein Zeichen gegen Atomkraft zu setzen. Eröffnet wurde das Gedenken mit einer interreligiösen ‚Andacht unter dem Apfelbaum‘ am Meerbachufer, in der Pastor Oliver Friedrich an den ‚größten anzunehmenden Unfall‘ (GAU) im sowjetischen Tschernobyl vor 40 Jahren erinnerte. Er rief die Folgen, die diese Katastrophe auch für Deutschland hatte, in Erinnerung und mahnte zur Abkehr von Atomkraft, weil diese ein unbeherrschbares Risiko für die Menschen darstelle. Anschließend blickte Hedda Freese in ihrer Begrüßung zum Gedenken an der ‚Madonna von Tschernobyl‘ auf die besondere Bedeutung dieses Ereignisses für Nienburg durch die 1991 geknüpfte Städtepartnerschaft mit Witebsk in Belarus, einer Region, die besonders betroffen war von der Katastrophe.
 Bürgermeister Jan Wendorf erinnerte in seinem Grußwort daran, wie sich Deutschland aufgrund des GAUs im Bereich Katastrophenschutz neu aufgestellt hat: „Tschernobyl steht für Leid, zerstörte Lebensräume und für eine bis heute spürbare Verunsicherung mit Risiken. Gleichzeitig hat die Katastrophe zu einem Umdenken geführt – auch im Katastrophenschutz. Viele Strukturen, die heute selbstverständlich seien, wurden infolge Tschernobyls weiterentwickelt oder überhaupt erst geschaffen: bessere Warnsysteme, klare Zuständigkeiten, intensivere internationale Zusammenarbeit und ein stärkeres Bewusstsein für den Schutz der Bevölkerung. Das Gedenken an Tschernobyl sei deshalb nicht nur ein Blick zurück, sondern auch ein Auftrag für die Zukunft, so Bürgermeister Wendorf.
Wolfgang Kopf ging in seiner Rede noch einmal ausführlich auf die Ereignisse am 26. April 1986 ein und ließ die sich daran anschließende Tschernobyl- Solidarität in Stadt und Landkreis Nienburg Revue passieren. Erste Kontakte nach Witebsk durch das Internationale Begegnungswerk und Mitgliedern des Nienburger Stadtrats wurden bereits vor dem Reaktor-Unglück geknüpft und führten zur Unterstützung der Initiative „Den Kindern von Tschernobyl“ deren Aktivitäten sich vor allem auf das verstrahlte Dorf Djatlawitschi fokussierten. Über viele Jahre wurde Kindern aus dieser Region ein vierwöchiger Aufenthalt im Landkreis Nienburg ermöglicht, der für sie eine wichtige Erholung vom verstrahlten Alltag darstellte. Die dort eingerichtete Strahlenschutzstelle wird heute regelmäßig von dem Anti-Atom-Kreis Nienburg und dem Verein ‚Nienburg – Freundschaften weltweit e.V. ‘ unterstützt. Die nach dem Unglück entstandene Solidarität wird durch die Skulptur ‚Madonna von Tschernobyl‘ symbolisiert, die von dem Witebsker Künstler Iwan Kasak stammt. Sie symbolisiert eine werdende Mutter auf einer zerbrechenden Erdkugel und trägt die Widmung: „In Erinnerung an die Opfer und als Zeichen der Solidarität. In seinem Beitrag würdigte Wolfgang Kopf zum einen die vielen Menschen, die im Landkreis Nienburg über Jahre wesentlich zur Tschernobyl-Solidarität beigetragen haben, aber auch die Organisationen wie das IBW (Internationales Begegnungswerk Nienburg e.V.) und Janun (Jugendumweltnetzwerk Niedersachsen e.V.) auf deutscher Seite und Sputnik (Jugendreisebüro Sputnik Witebsk) und Belrad (Unabhängiges Belarussischen Strahlenschutzinstitut in Weißrussland). In Ergänzung dazu verlas er Grußwörter der Direktoren der unabhängigen Strahlenschutzstelle Belrad und der Partnerorganisation Sputnik. Abschließend betonte er noch einmal den Irrweg, der mit Atomkraft eingegangen worden sei und rief dazu auf, sich weiter für die Energiewende und konkrete Solidarität mit den Opfern von Atomkraft zu engagieren.
Uwe Schmädeke vom Anti-Atom-Kreis machte in seinem Redebeitrag die Gefahren von Kernkraft deutlich. Er hob hervor, wie wichtig die Erinnerung an Reaktorunfälle sei, weil die Unfälle schnell in Vergessenheit gerieten, aber die Strahlung für Tausende von Jahren in den betroffenen Gebieten bleiben würde. „Radioaktive Strahlung“, so Schmädeke, „kennt keine Grenzen und wirkt über viele Generation.“ Er kritisierte, dass die Gefahren und die Folgen damals wie heute klein geredet würden und dass auch in Deutschland, das inzwischen seine Atomkraftwerke als Konsequenz aus den Reaktorunfällen in Tschernobyl und Fukushima abgeschaltet hat, in jüngster Zeit Atomkraftwerke als ‚saubere‘ Energiequelle wieder ins Gespräch gebracht würden. Dabei würde auch ignoriert, dass global gesehen die Zahl der Atomkraftwerke immer weiter abnehmen würde und weltweit nur noch 9% des Strombedarfs deckten. Gegen den Einsatz von Atomkraft sprächen aus Schmädekes Sicht auch die enormen Kosten, die durch Planung, Bau, Betrieb und anschließende Entsorgung entstehen würden, wobei die endgültige und ungefährliche Lösung für die Beseitigung des Atommülls immer noch nicht gefunden sei. Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren sei Atomstrom viel zu teuer und könne dem Wettstreit mit den erneuerbaren Energiequellen nicht statthalten. Deshalb müsse vor allem der Ausbau erneuerbarer Energien vorangetrieben werden. Abschließend mahnte Schmädeke, Erinnern allein würde nicht reichen, vielmehr müssten aus dem Erinnern Konsequenzen für eine sichere, nachhaltige und atomkraftfreie Zukunft gezogen werden. Die Mahnung von Tschernobyl sei, alle Atomkraftwerke weltweit abzuschalten.

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Autor*in

Anti-Atom-Kreis Nienburg
Veröffentlicht: Sonntag, 10. Mai 2026 um 09:21 Uhr