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Mit Erinnerungsarbeit die Demokratie verteidigen!

6.6.2018

Arbeitskreis Gedenken nimmt Stellung zu jüngsten AfD-Äußerungen zur deutschen Geschichte


Eine positive Bilanz der Gedenkveranstaltungen im April (Tschernobyl-Tag) und Mai (Erinnerung an den Sinti-Aufstand in Auschwitz) zog jetzt der Arbeitskreis Gedenken der Stadt Nienburg. Beide Veranstaltungen seien sehr gut besucht gewesen und von Presse und Rundfunk hervorragend unterstützt worden. Der Vorsitzende des Arbeitskreises, Thomas Gatter, und die Leiterin des Kulturbüros, Cornelia Kramer, sprachen den Medien dafür ihren Dank aus. Die mediale Unterstützung der Gedenkarbeit sei unverzichtbar, erklärten sie übereinstimmend, unter anderem auch deshalb, weil aus den Reihen der AfD immer wieder versucht werde, sie zu diskreditieren.


Insbesondere die jüngsten Äußerungen des AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland zur historischen Einschätzung des Nationalsozialismus und seiner Verbrechen riefen die heftige Kritik der Arbeitskreis-Mitglieder hervor. Gauland, auch Chef der AfD-Bundestagsfraktion, hatte vor der Jugendorganisation seiner Partei die Bedeutung des Nationalsozialismus im Vergleich zur übrigen „ruhmreichen“ Geschichte Deutschlands drastisch heruntergespielt: sie sei nicht mehr als ein Vogeldreck. Axel Nürge sah in dieser Verharmlosung einen Tiefschlag gegen den demokratischen Konsens der Bundesrepublik Deutschland. Wolfgang Kopf bezeichnete die Äußerung Gaulands als einen unverblümten Angriff auf die Gedenkarbeit. Damit sei auch der Nienburger Arbeitskreis Gedenken direkt betroffen. Ulrike Kassube erinnerte an ähnliche Angriffe gegen das „Weser-Aller-Bündnis: Engagiert für Demokratie und Zivilcourage“ (WABE) der Städte und Landkreise Nienburg und Verden.


Arbeitskreis-Vorsitzender Gatter äußerte sich besorgt darüber, dass es so geringe öffentliche Reaktion auf die Entgleisung Gaulands gegeben habe. Wenn nicht nur weit über 6 Millionen KZ-Opfer, sondern auch mehr als 60 Millionen Kriegstote in dieser Weise verhöhnt werden, wäre eigentlich ein Aufschrei auch in konservativen Kreisen zu erwarten gewesen. „Warum protestieren hier nicht die Kriegsopferverbände, der Reichsbund oder der VdK? Warum nicht der Verband der Reservisten?“, so Gatter wörtlich. Man müsse sich stärker mit der Tatsache auseinandersetzen, dass im Bundestag, in Landtagen und Kommunalparlamenten jetzt eine Partei sitze, die eine andere Geschichtsschreibung wolle. Die Antwort darauf könne nur sein, mit der Erinnerungsarbeit nicht nur die Vergangenheit aufzuarbeiten, sondern die heutige Demokratie zu verteidigen. Sonst werde das oft zitierte „Nie wieder darf das geschehen!“ zur Farce.


Der Arbeitskreis beschloss, bei künftigen Veranstaltungen noch stärker als bisher auf den Zusammenhang der kollektiven Erinnerung mit dem Schicksal der Demokratie in der Gegenwart hinzuweisen. Abschließend wurde zur Mitarbeit im neu gegründeten „NetzWerk Nienburg“ Ulrike Kassube als Vertreterin des Arbeitskreises benannt.


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Veröffentlicht am

Sonntag, 24. Juni 2018 um 10:28 Uhr

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